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von Ellerts

Notizen · Werkstatt · 28.07.2026

Wer macht was beim Agenten-Handel — und wo zwei dasselbe machen

Am 13. Juli habe ich hier über die Protokolle des Agenten-Handels geschrieben — AdCP, ACP, UCP — wer schreibt die Regeln, wenn Maschinen einkaufen? —, und mein Teaser sagte: Drei Protokolle konkurrieren darum, den Handel zwischen KI-Agenten zu definieren. Danach habe ich die Spezifikationen nacheinander gelesen — nicht die Ankündigungen, die Spezifikationen. Die Fakten lagen dabei alle schon vor, als ich das schrieb; die jüngste stammt vom 10. Juni. Es hatte sich also nichts geändert ausser meiner Lesart. Sie war zu einfach.

Der Auftrag

Das Agent Payments Protocol (AP2) klärt, wie sich der Auftrag eines Menschen an einen Agenten kryptografisch nachweisen lässt — die Spezifikation nennt das «non-repudiable proof of intent». Am 28. April 2026 hat Google angekündigt, AP2 an die FIDO Alliance abzugeben; dort ist es als Ausgangsbeitrag eingebracht und wird weiterentwickelt. Am selben Tag erschien Version 0.2 mit Schwerpunkt auf «Human Not Present»-Abläufen: Käufe, die der Agent ohne anwesenden Menschen auslöst, gedeckt durch einen vorab erteilten Auftrag. Parallel hat Mastercard den eigenständigen, AP2-kompatiblen Standard «Verifiable Intent» eingebracht, entwickelt gemeinsam mit Google.

Die Kasse — doppelt besetzt

Hier wird es unübersichtlich, und genau das habe ich damals übersehen. Das Universal Commerce Protocol (UCP), am 11. Januar 2026 von Google zusammen mit Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart vorgestellt, deckt nicht nur Katalog und Produktsuche ab. Seine Standard-Fähigkeiten heissen Cart, Checkout, Order und Identity Linking. Das Agentic Commerce Protocol (ACP) von OpenAI und Stripe — Stripes Dokumentation nennt inzwischen Meta als dritten Entwickler, das Repository führt Meta seit dem 24. April als Lead Maintainer — deckt dieselbe Strecke ab: Warenkorb, Checkout, delegierte Zahlung, delegierte Autorisierung, Bestellstatus per Webhook.

Zwei Spezifikationen, dieselbe Aufgabe, und sie verweisen nicht aufeinander. UCP erklärt sich ausdrücklich als AP2-kompatibel und bindet es normativ ein; für ACP gibt es diese Brücke nicht. Was sich annähert, sind die Trägerkreise: Stripe sitzt seit Ende April im Governing Council von UCP.

Die Abrechnung

Am 10. Juni 2026 hat Visa am Visa Payments Forum in San Francisco eine Zusammenarbeit mit OpenAI angekündigt: tokenisierte Kartendaten, Echtzeit-Autorisierung, Betrugsüberwachung, Agenten-Identifikation — innerhalb von Leitplanken, die Privatkundschaft und Unternehmen selbst setzen, etwa Ausgabenlimiten oder Freigabeschwellen. Die Mitteilung steht durchgehend im Futur und nennt kein Verfügbarkeitsdatum. Deshalb führe ich Visa hier auch nicht als vierten Standard: Das ist eine Geschäftsvereinbarung zwischen zwei Unternehmen, keine offen lizenzierte Spezifikation.

Was daraus folgt

Für die Frage, welches Produkt ein Agent zuerst zeigt und wer dafür bezahlt, gibt es sehr wohl Bewerber — das Ad Context Protocol führt dafür eine ausdrücklich als experimentell markierte Erweiterung, und der IAB Tech Lab hat im Januar 2026 AAMP v1.0 veröffentlicht. Offen ist etwas Engeres: Wie ein Agent die organische Kandidatenliste überhaupt bildet, regelt keine dieser Spezifikationen. Dort setze ich mit Nexbid an — Anspruch, nicht Vollzugsmeldung.

Praktisch relevanter für alle anderen ist der Katalog. UCP verlangt pro Produkt mindestens id, title, description, price_range und variants; OpenAIs Feed-Spezifikation kennt vierzehn Pflichtfelder. UCP hält zudem fest, das erste Element einer Liste sei als hervorgehoben zu behandeln — Reihenfolge ist also bereits geregelt. Ob unvollständige Daten zum Ausschluss führen, steht in keiner Spezifikation; das ist meine Vermutung, nicht ihr Wortlaut.

Und was sich seither nicht geändert hat: In keiner dieser Spezifikationen kommen die Publisher vor.

Das ist die Landkarte, nicht das Gutachten — ich lese Spezifikationen, keine Verträge. Jüngste hier berücksichtigte Primärquelle: Visa, 10. Juni 2026.

Quellen

  • Google, «Under the hood: Universal Commerce Protocol (UCP)», Developers Blog, 11. Januar 2026; UCP-Spezifikation ucp.dev, Stand 2026-04-08, inkl. Dokument zur AP2-Kompatibilität
  • Agentic Commerce Protocol, Repository agentic-commerce-protocol/agentic-commerce-protocol (Apache-2.0), Spezifikationsstand 17. April 2026, MAINTAINERS.md vom 24. April 2026; Stripe-Dokumentation «Agentic Commerce Protocol»
  • Google, «Google donates Agent Payments Protocol to FIDO Alliance», 28. April 2026; FIDO Alliance zur Aufnahme von AP2 und «Verifiable Intent»; Repository google-agentic-commerce/AP2, Release v0.2.0 vom 28. April 2026; ap2-protocol.org
  • Visa, Medienmitteilung und Perspectives-Beitrag zur Zusammenarbeit mit OpenAI, 10. Juni 2026
  • Ad Context Protocol, Dokumentation v3.1 (docs.adcontextprotocol.org); IAB Tech Lab, Agentic Advertising Messaging Protocol (AAMP) v1.0, 28. Januar 2026
  • OpenAI, Feed-Spezifikation für Produktdaten (developers.openai.com/commerce)

Holger von Ellerts schreibt hier über KI, Agentic Commerce und Lehre — und gelegentlich über das Leben neben der Arbeit. Mehr über Holger