Notizen · Werkstatt · 13.07.2026
AdCP, ACP, UCP — wer schreibt die Regeln, wenn Maschinen einkaufen?
Protocol Commerce ist das Feld, auf dem heute die Standards entstehen, über die KI-Agenten künftig suchen, vergleichen und einkaufen. Wer diese Protokolle definiert, definiert die Spielregeln des Handels im nächsten Jahrzehnt — so wie HTTP und HTML einst die Spielregeln des Webs definiert haben.
Die drei Kandidaten
ACP (Agentic Commerce Protocol) kommt von OpenAI, entwickelt mit Stripe. Die Spezifikation ist offen publiziert. Der Haken liegt nicht im Lizenztext, sondern in der Gravitation: ACP ist auf das OpenAI-Ökosystem hin gebaut — wer dort nicht stattfindet, findet nicht statt.
UCP (Universal Commerce Protocol) ist Googles Antwort, ebenfalls offen publiziert, mit derselben Logik in Grün: Das Protokoll ist einsehbar, die Plattform dahinter gehört einem Konzern, dessen Geschäftsmodell auf der Kontrolle der Nachfrage beruht.
AdCP (Agentic Discovery Commerce Protocol) ist unser Beitrag — der offene Standard hinter Nexbid: MIT-lizenziert, plattformneutral, ohne Nutzer-Tracking. Manifest, Spezifikation und SDK liegen auf GitHub.
Abgrenzung, nachgetragen am 28. Juli 2026: «AdCP» ist doppelt belegt, und das war mir beim Schreiben nicht bewusst. Unter derselben Abkürzung läuft das Ad Context Protocol — veröffentlicht von AgenticAdvertising.org, inzwischen in Version 3.1, getragen von über 116 Organisationen, darunter Yahoo, PubMatic, Scope3 und LG Ads. Es normiert die Werbeschicht des Agenten-Handels und ist damit im Nachbarfeld unterwegs, nicht in einem fernen. Wo ich hier «AdCP» schreibe, meine ich ausschliesslich unser Agentic Discovery Commerce Protocol. Ich lasse den Namen stehen und benenne den Unterschied, statt still umzuschreiben — mit dem Wissen, dass die ältere Belegung die stärkere ist.
Warum das Publisher etwas angeht
In keinem der grossen Protokolle kommen die Publisher vor — die, die Inhalte produzieren, Kontext schaffen und Reichweite aufbauen. Das ist kein Zufall, sondern ein strukturelles Problem: Plattformgebundene Standards optimieren für die Plattform. Ein offener Standard kann für alle Beteiligten optimieren — mit transparentem Scoring, offenen Auktionen und einem Revenue Share zugunsten der Content-Ersteller.
Meine Einordnung
Ob sich am Ende ein Protokoll durchsetzt oder mehrere koexistieren, ist offen. Sicher ist: Wer heute Sichtbarkeit über Suchmaschinen und Werbebudgets aufgebaut hat, sollte verstehen, dass die nächste Verteilrunde über Protokolle läuft. Plattformwechsel bestrafen die, die zu spät kommen — das habe ich bei Coop, NZZ und MediaMarkt dreimal aus nächster Nähe gesehen.
Wer das Thema für sein Unternehmen einordnen will: Ich spreche darüber — und baue daran.
Holger von Ellerts schreibt hier über KI, Agentic Commerce und Lehre — und gelegentlich über das Leben neben der Arbeit. Mehr über Holger
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