Notizen · Werkstatt · 13.07.2026
Was von einer KI-Schulung am Montag übrig bleibt
Das Muster kenne ich aus vielen Organisationen: Die KI-Schulung war ein Erfolg, die Bewertungsbögen sind voller Lob — und drei Wochen später arbeitet das Team exakt so wie vorher. Das Problem ist selten das Engagement der Teilnehmenden. Es ist das Design der Weiterbildung.
Fünf Dinge, die sich bei mir über die Jahre als wirksam erwiesen haben — im Hörsaal an der Hochschule genauso wie im Firmenkurs:
1. Eigene Use Cases statt Lehrbuchbeispiele
Niemand transferiert das Beispiel «Schreibe ein Gedicht über deinen Hund» in seinen Arbeitsalltag. Die Teilnehmenden arbeiten bei mir von der ersten Übung an mit ihren eigenen Dokumenten, Prozessen und Problemen. Der Unterschied zeigt sich am Montag: Es existiert bereits ein halbfertiger Workflow, den man weiterbauen will.
2. Übung schlägt Demonstration
Eine beeindruckende Live-Demo erzeugt Staunen, keine Kompetenz. Der Anteil, in dem Teilnehmende selbst tippen, scheitern und korrigieren, entscheidet über den Lerneffekt. Deshalb baue ich Übungen, Labs und Projektarbeiten selbst — passgenau auf Gruppe und Niveau.
3. Governance ist Befähigung, nicht Bremse
Die häufigste Transfer-Blockade ist nicht Können, sondern Unsicherheit: Darf ich das überhaupt? Wer Datenschutz (DSG, DSGVO) und die Anforderungen des EU AI Act gleich in die Schulung einbaut, gibt den Leuten Leitplanken — und damit die Erlaubnis, das Gelernte zu benutzen.
4. Führungskräfte gehören in den Raum
Wenn das Team lernt und die Führung nicht, prallt jede neue Arbeitsweise an alten Erwartungen ab. Die wirksamsten Programme, die ich begleitet habe, hatten die Entscheidungsebene im selben Kurs — oder mindestens in einem eigenen Kompakt-Format.
5. Transfer braucht einen Termin
Was keinen Folgetermin hat, versandet. Transfer-Sessions einige Wochen nach dem Kurs — was hat funktioniert, wo klemmt es, was bauen wir als Nächstes? — kosten wenig und verdoppeln gefühlt die Wirkung. Erst dort zeigt sich, was wirklich hängen geblieben ist.
Kein Geheimwissen, nur konsequentes Handwerk. Aber genau daran scheitern die meisten KI-Initiativen — nicht an der Technologie.
Für Bildungsinstitutionen: Lehrangebot ansehen. Für Unternehmen: Firmeninterne Weiterbildung anfragen.
Holger von Ellerts schreibt hier über KI, Agentic Commerce und Lehre — und gelegentlich über das Leben neben der Arbeit. Mehr über Holger